Antritt von Gewerkschaftliche Linke fix – mit über 500 Unterstützungserklärungen!

78 WahlwerberInnen aus allen Bezirken

Mit dem Einreichen von über 520 Unterstützungserklärungen hat sich gestern die Gewerkschaftliche Linke den Antritt zur AK-Wahl in Tirol gesichert. Spitzenkandidatin Evi Kofler dazu: „Ich möchte mich für die breite Unterstützung bedanken. So viel Rückhalt zeigt, dass wir bereits fest in der Gesellschaft verankert sind und die Zeit reif ist für eine linke Kraft in der AK Tirol.“

Der Wahl werden sich insgesamt 78 WahlwerberInnen stellen. Personen aus allen Bezirken und insgesamt 11 Nationen stehen auf der Liste der Gewerkschaftlichen Linken. Von der Fabriksarbeiterin bis zur Bürokraft sind alle Branchen vertreten, viele Menschen gerade aus dem Sozialbereich unterstützen den Antritt. Die Liste ist zudem paritätisch gereiht – also mit einer Frauenquote von 50%.

Das Programm wird in den nächsten Wochen veröffentlicht. „Unsere Hauptlinie dabei ist aber klar: gerechtes Teilen, Einkommen, Arbeitszeitverkürzung und Teilhabe. Kurzum: Mehr für die Mehrheit“, erklärt Kofler die Ausrichtung von Gewerkschaftliche Linke.

Gewerkschaftliche Linke präsentiert Spitzenduo – Antritt zur AK-Wahl fix

“Mehr Zeit und mehr Geld müssen für die Mehrheit der Menschen übrig bleiben”

Im Rahmen einer Pressekonferenz am Montag, den 5.11. präsentierte die Gewerkschaftliche Linke  ihr Spitzenduo, ihr Vorhaben sowie die Hauptlinie des Programms für den Antritt zur AK-Wahl in Tirol (28.1.2019-7.2.2019). Bei der Gewerkschaftlichen Linken handelt es sich um einen breiten Zusammenschluss aus der Alternativen Liste Innsbruck (ALI), dem Gewerkschaftlichen Linksblock (GLB) sowie tirolweit zahlreichen Initiativen und Privatpersonen. Das Sammeln der notwendigen 300 Unterschriften für den Antritt sei keine Hürde, da man bereits auf eine große Zahl von Unterstützer*innen zählen könne. Ziel der Linken im Februar ist, Fraktionsstärke zu erlangen.

Als Spitzenkandidatin für GL tritt die 37-jährige Evi Kofler an. Diese ist bereits seit Jahren zivilgesellschaftlich aktiv und ist ebenso Mitbegründerin und Obfrau der Alternativen Liste Innsbruck. Die Motivation für den Antritt erklärt die Ergotherapeutin so: “Mir geht es darum, konkret an Schritten zur positiven Veränderung zu arbeiten. Den Menschen muss im Schnitt mehr bleiben.”  Ebenso zum Spitzenduo gehört der 58-jährige Koch Josef Stingl, der nicht nur die Errungenschaften der Arbeiter*innenbewegung bewahren will, sondern diese auszubauen möchte. Seine Devise: „Wöchentlich 30 Stunden Arbeitszeit sind genug, 13€ das Mindeste, und das wertgesichert.“

Programmatisch gibt es eine Hauptlinie, an den einzelnen Punkten wird in den nächsten Wochen noch gemeinschaftlich gearbeitet. So geht es der Gewerkschaftlichen Linken um einen gesetzlich verankerten Mindestlohn, der wertgesichert und unabhängig von Kollektivverträgen ist. Die Kandidat*innen erläutern, dass es eine Verkürzung der Arbeitszeit auf 30 Stunden pro Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich angesichts des Wirtschaftswachstums und der gesteigerten Produktivität längst überfällig sei. Zu guter Letzt reagiere man auf den Wunsch vieler Menschen nach einer besseren Work-Life-Balance. “Leben ist mehr als nur Arbeit. Freizeit, Erholung, Sport oder kulturelle Aktivitäten sind ein Bedürfnis vieler – dafür muss genügend Zeit zur Verfügung stehen.”, so Kofler.

Nicht alles was glänzt, ist auch Gold

Lesen bildet, manchmal auch das morgendliche Studium der TirolerTageszeitung. Am 22. Oktober outet sich darin SP-Landtagsabgeordneter und Tiroler ÖGB-Chef Philip Wohlgemuth, dass er bzw. der ÖGB nie gegen flexible Arbeitszeiten gewesen seien und fleht darum um die Rückkehr zur Sozialpartnerschaft. In einem weiteren  Artikel werden die Existenzprobleme  des unteren Einkommenssegments in Tirol dokumentiert.

Zwar verdammt Tirols ÖGB-Boss brav der Bundesregierung 12-Stunden-Arbeitstag. Ein klares NEIN dazu kommt ihm aber nicht über seinen Lippen. Lieber gibt er sozialpartnerschaftlich kompromissbereit: „Wir verwehren uns nicht gegen ein modernes Arbeitszeitgesetz.“ Verlangte nicht auch ein Ex-Kanzler in seinem A-Plan KERNig einen 12-Stunden-Arbeitstag?

Fast schon weinerlich wird von Wohlgemuth die Sozialpartnerschaft zurückgefordert. Sie habe mehr als 70 Jahren für einen ausgewogenen Interessenausgleich gesorgt. Das muss auch in Zukunft so bleiben. Nur, lieber Philip, sie war bei weitem nicht so toll, wie ihr sozialdemokratischen Gewerkschafter_innen uns gerne weismachen wollt.

Dem ewigen„zu Tode verhandeln“ ist das heutige Schlamassel mit zu verdanken. Statt konsequent Arbeitszeitverkürzung einzufordern wurden stets Arbeitszeit-Flexibilisierung zugestimmt. Diese waren aber gleichzeitig die Einstiegsdroge für den 12-Stunden-Arbeitstag und die 60-Stunden-Arbeitswoche. Die generelle Arbeitszeitverkürzung landete somit am Misthaufen der unerfüllten Wunschträume.

Tirol mit Einkommen zum Auskommen?

Aber selbst bei der ureigensten Aufgabe der Sozialpartnerschaft, der jährlichen Lohn- und Gehaltsanpassungist nicht alles Gold, was glänzt. Während unser Leistungsdruck explodierte wurden unser Lohn und Gehalt nie wirklich mehr wert und in den unteren Einkommenssegmenten sogar weniger wert. Überdurchschnittlich hohe Wohn-, Energie- und Lebenskosten verschärfen die Situation noch zusätzlich.

Die Folgen dieser Unsozial-Politik präsentierte dieser Tage das Amt der Tiroler Landesregierung in der Studie „Armut und soziale Eingliederung in Tirol“: Im Durchschnitt lag das mittlere Haushaltseinkommen in Tirol von 2014 bis 2016bei 22.128 Euro im Jahr. 15 Prozent oder 112.588 Personen liegen bei einem Einkommen unter 14.000 Euro. Wenig überraschend  ist, dass vor allem all jene, die nicht in Österreich geboren sind (25,3 %), gefolgt von Einpersonenhaushalten (23,3 %) betroffen sind.

Überraschend und erschreckend ist allerdings die Tatsache,dass diese Einkommensknappheit nicht unbedingt durch das Fehlen eines Arbeitsplatzes erklärbar ist. Nicht einmal eine Vollzeitbeschäftigung schützt mehr davor, dass das Einkommen zahlreicher Menschen nicht mehr für den „üblichen Lebensstandard“ reicht und sie somit an der sozialen Teilhabe an der Gesellschaft ausgeschlossen werden.

In Tiroler Traditionsmanier „Hände falten und Gosch´n halten“?

Sicherlich nicht! Das Zurückschwören der Sozialpartnerschaft ist aber auch nicht viel besser. Unbestreitbar ist der Verhandlungsweg der erste Weg um etwas umzusetzen. Ist das Verhandlungsergebnis allerdings bescheiden – dann darf Mann und Frau – also wir, durchaus auch für ein besseres Ergebnis kämpfen. Das ist weder unanständig noch dumm, sondern das was unsere Ahnen der Arbeiterbewegung vorbildlich hinterlassen haben.

Autor: Josef Stingl