„Was habt’s denn? Es geht euch eh gut!“

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Warum der Weltfrauentag ein Kampftag bleibt!

Evi Kofler, Tiroler AK-Rätin der Gewerkschaftlichen Linken und stv. Bundesvorsitzende des GLB

Die aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen lassen einen alarmierenden Trend erkennen: Demokratische Rechte, soziale Sicherheiten und hart erkämpfte Errungenschaften der Frauen und Arbeiter:innenbewegung geraten zunehmend unter Druck und werden in Frage gestellt. Besonders betroffen davon sind Frauen.

Die Abwertung von Teilzeitbeschäftigten, die Kürzungen im Sozialbereich, fehlende Kinderbetreuungsplätze und die Selbstverständlichkeit unbezahlter Care-Arbeit treffen vor allem Frauen.
Gleichzeitig stagniert der Equal Pay Gap, und mit ihm der Equal Pension Gap.

Niedrige Einkommen bedeuten niedrige Pensionen – Altersarmut ist weiblich. Das alles trifft auf explodierende Mieten, hohe Energiepreise und überteuerte Lebensmittel sowie wirtschaftliche Abhängigkeiten. Wer weniger verdient und häufiger in prekären oder reduzierten Arbeitsverhältnissen steckt, spürt dies besonders stark.

Gräbt man tiefer, wird das Bild nicht besser: Geschlechtsspezifische Benachteiligungen in der medizinischen Versorgung, eingeschränkter Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen in vielen Ländern und das Wiedererstarken ultrakonservativer Frauen- und Familienbilder. Vor diesem Hintergrund ist der Satz „Was habt’s denn, es geht euch eh gut“ nicht nur zynisch, sondern eine Verharmlosung realer Ungleichheiten und Machtverhältnisse.

Der Internationale Frauenkampftag entstand in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg – aus dem Kampf von Arbeiterinnen für Wahlrecht, Gleichberechtigung und bessere Arbeitsbedingungen. Er war nie ein Feiertag mit Blumen und Geschenken, sondern immer ein politischer Tag des Widerstands. Für uns heute ist es ein Tag, um an jene zu erinnern, die vor und für uns Rechte erkämpft haben. Ein Tag um aufzuzeigen, wo Rechte fehlen, bröckeln oder aktiv abgebaut werden. Denn alles, was heute verloren geht, muss mühsam über Jahrzehnte wieder erkämpft werden.

Politisch wird in vielen Debatten um Veränderungen auf die angespannte Finanzlage von Staaten und Betrieben verwiesen. Doch während Wirtschaftsförderungen oft nach dem Gießkannenprinzip verteilt wurden und Aufrüstung als alternativlos gilt, fehlt plötzlich das Geld für soziale Sicherheit, Pflege, Bildung und Kinderbetreuung. Um Vermögens- oder Erbschaftssteuern wird weiterhin ein großer Bogen gemacht. Dabei wächst die Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen stetig.

Mit dem Vormarsch neoliberaler und nationalistischer Politik gehen auch patriarchale Gesellschaftsstrukturen und Angriffe auf Errungenschaften der Arbeiterinnen und Frauenbewegungen einher.

Aus emanzipatorisch gewerkschaftlicher Perspektive ist daher klar: Umverteilung ist kein Randthema, sondern zentral mit dem Kampf um Freiheit und gesellschaftlich sozialen Kämpfen verbunden. Höhere Löhne, starke öffentliche Infrastruktur, soziale Absicherung und eine gerechte Besteuerung großer Vermögen sind feministische Forderungen. Umverteilung ist nicht nur grammatikalisch weiblich. Sie
ist Voraussetzung für echte Gleichstellung!

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